Schlagwort: selbstzweifel

  • Wozu das Ganze?

    Es war mal wieder so weit. Die Depression klopfte an und hatte schon ihren Fuß in die Tür gesetzt, so dass ich sie nicht mehr schließen konnte. Egal wie stark ich mich dagegen gelehnt habe, sie ging nicht mehr zu. Ich konnte aber auch nicht von der Tür weg gehen, denn dann wäre die Depression in ihrer vollen Macht wieder in mein Leben zurückgekommen. So blieb ich an der Tür und drückte sie weiterhin fest zu, so dass sie nicht weiteren Einfluss hatte.

    Doch das allein kostete mich viel Kraft und Ausdauer. Sehr lange Zeit ging es mir gut, teilweise sogar sehr gut, wofür ich dankbar war. In dieser Zeit konnte ich Kräfte und Energie tanken, die mir in dieser aktuellen Situation geholfen haben. Doch wie lange konnte ich mich gegen diese Tür stemmen? Wann würden meine Kräfte nicht mehr ausreichen? Eine leise Stimme von der anderen Seite der Tür drang zu mir.

    „Warum wehrst du dich? Du weißt doch das dieses sinnlos ist.“ Die Ohren davor verschließen konnte ich nicht, da meine Hände gepresst an der Tür klebten, um die Depression nicht weiter in mein Leben reinzulassen.  Die Stimme flüsterte weiter: „Wozu fotografierst du eigentlich? Deine Bilder sind nichts wert in der Bilderflut der heutigen Zeit. Verkauf deine Ausrüstung! Verkauf deine Ausrüstung! Verkauf deine Ausrüstung!“ Dieser Satz traf mich tief und ohne es zu wollen schaute ich nach, was ich wohl für meine Kamera-Ausrüstung bekommen würde. Es wären ca. 1.000 Euro auf dem freien Markt. Doch was dann? Keine Fotografie mehr? Was sollte ich im Gegenzug dann machen? Die Stimme hinter der Tür flüsterte leise, aber eindringlich.

    „Du könntest ja weiter mit dem Smartphone fotografieren. Das reicht für Fotos im Internet völlig aus. Dafür braucht man keine Kamera-Ausrüstung! Und wie schon gesagt, wen interessiert es, dass du fotografierst?“ „Lass mich rein, dann kann ich die Stelle, die du mit der Fotografie ausgefüllt hast in deinem Leben, übernehmen. Es ist leicht, du musst mich nur rein lassen.“

    Es fing langsam an für mich logisch zu klingen. Fotografie … für was, bzw. für wen mache ich das? Sicher es macht schon Spaß, aber der hört dann schnell wieder auf, wenn ich kein Feedback zu meinen Bilder bekomme. „Nur für dich allein fotografierst du nicht. Du suchst doch Anerkennung, wenn du deine Bilder zeigst, deswegen fotografierst du doch. Du willst dir Streicheleinheiten darüber holen, denn im Inneren weißt du schon lange, dass du zu sonst nichts taugst!“

    Die Stimme wurde immer lauter und intensiver. Ich ließ es immer mehr zu das meine eigene Kraft, sich dagegen zu stemmen, schwächer wurde. Die Selbstzweifel kamen immer mehr zur Geltung. Genau, wozu fotografiere ich eigentlich? Das macht doch alles keinen Sinn. Immer mehr wurde die Stimme hinter der Tür zu meiner eigenen Stimme.

    Dann war es auch schon geschehen. Die Depression hatte sich schleichend durch den kleinen Spalt in der Tür, Zugang zu meinem Gehirn verschafft und ich brach kraftlos in mich zusammen. Wozu das Ganze, waren meine letzten Gedanken.